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Histamin beim Hund – was passiert eigentlich zwischen Futternapf und Blut?

Im ersten Teil dieser Artikelreihe habe ich mich mit der Frage beschäftigt, ob es eine Histaminintoleranz beim Hund überhaupt gibt. Im zweiten Teil ging es darum, welche Rolle die Ernährung spielt und warum Histamin nicht automatisch im Futternapf beginnt.

Bleibt also die nächste logische Frage.

Was passiert eigentlich mit dem Histamin, nachdem ein Hund es aufgenommen hat?

Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach zu sein: Histamin gelangt mit der Nahrung in den Darm und wird von dort in den Körper aufgenommen.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht.

Tatsächlich entscheidet der Körper an mehreren Stellen darüber, ob und wie viel Histamin überhaupt in den Blutkreislauf gelangt. Ein erheblicher Teil wird bereits während der Passage durch den Darm abgefangen und abgebaut. Der Organismus verfügt also über verschiedene Schutzmechanismen, die verhindern sollen, dass jede aufgenommene Histaminmenge automatisch auch den Körper erreicht.

Warum ist das wichtig?

Weil dadurch verständlich wird, weshalb der Histamingehalt eines Futters allein noch wenig darüber aussagt, wie ein Hund darauf reagiert. Zwischen dem Futternapf und dem Blutkreislauf liegt ein komplexes System aus Darmbarriere, Enzymen und Stoffwechselprozessen, das darüber entscheidet, wie viel Histamin den Organismus tatsächlich erreicht.

Genau diesen Weg wollen wir in diesem Artikel Schritt für Schritt verfolgen.

Kann Histamin aus der Nahrung überhaupt aufgenommen werden?

Nachdem wir uns im vorherigen Artikel mit dem Histamingehalt verschiedener Futtermittel beschäftigt haben, drängt sich fast automatisch die nächste Frage auf: Was passiert eigentlich mit diesem Histamin, nachdem der Hund es gefressen hat?

Die naheliegende Antwort wäre: Es gelangt durch den Darm in den Körper.

Tatsächlich ist der Weg jedoch deutlich spannender.

Physiologische Untersuchungen am Hund zeigen zwar, dass Histamin grundsätzlich aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden kann. Gleichzeitig zeigen sie aber noch etwas viel Interessanteres: Nur ein vergleichsweise kleiner Teil des aufgenommenen Histamins lässt sich später überhaupt im Blut nachweisen.

Mit anderen Worten: Der größte Teil gelangt offenbar gar nicht bis in den Blutkreislauf.

Das bedeutet, der Darm verhält sich nicht wie eine offene Tür, durch die jedes Histaminmolekül ungehindert in den Körper gelangt. Stattdessen scheint der Organismus bereits während der Aufnahme im Darm zu entscheiden, welcher Anteil weitergelangt und welcher bereits wieder abgefangen und abgebaut wird..

Das könnte auch erklären, warum zwei Hunde dieselbe Mahlzeit fressen können, ohne dass zwangsläufig beide gleich darauf reagieren. Denn zwischen dem Futternapf und dem Blutkreislauf entscheidet der Körper bereits selbst darüber, wie viel Histamin überhaupt ankommt.

Genau dieser Punkt verändert den Blick auf das Thema Histamin grundlegend. Denn plötzlich reicht es nicht mehr aus, nur zu fragen: Wie viel Histamin befindet sich im Futter?" Ebenso wichtig ist die Frage: „Wie viel davon erreicht den Körper überhaupt?"

Die Darmwand – mehr als nur eine Grenze

Nachdem wir nun wissen, dass nur ein Teil des aufgenommenen Histamins überhaupt im Blut ankommt, stellt sich fast automatisch die nächste Frage:

Was passiert mit dem restlichen Histamin?

Ein wichtiger Teil der Antwort liegt in der Dünndarmschleimhaut.

Sie ist weit mehr als eine einfache Trennschicht zwischen Darminhalt und Körper. Hier werden Nährstoffe aufgenommen, Krankheitserreger abgewehrt und gleichzeitig Stoffe kontrolliert, die für den Organismus problematisch werden könnten. Auch Histamin gehört dazu.

Eine wichtige Rolle spielt dabei ein Enzym mit dem Namen Diaminoxidase, kurz DAO.

DAO wird von den reifen Zellen der Dünndarmschleimhaut  (den sogenannten Enterozyten) gebildet. Besonders aktiv ist sie an den Spitzen der Dünndarmzotten, also genau dort, wo Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen werden und Histamin erstmals mit der Darmwand in Kontakt kommt.

Lange wurde vereinfacht beschrieben, DAO baue Histamin einfach „im Darm" ab. Betrachtet man die wissenschaftlichen Erkenntnisse genauer, entsteht jedoch ein differenzierteres Bild. DAO wirkt offenbar nicht frei im gesamten Darminhalt, sondern vor allem im unmittelbaren Bereich der Dünndarmschleimhaut. Dort trägt sie dazu bei, Histamin bereits an der Grenze zwischen Darmlumen und Körper abzubauen.

Damit wird auch verständlich, warum der Zustand der Dünndarmschleimhaut so bedeutsam sein könnte.

Genau dort erfüllt die Dünndarmschleimhaut auch ihre Schutzfunktion. Veränderungen dieser Schleimhaut können deshalb den Histaminabbau beeinflussen. Bei Hunden mit chronischen Darmerkrankungen oder einer geschädigten Darmschleimhaut stellt sich daher zwangsläufig die Frage, ob diese natürliche Barriere ihre Aufgaben noch genauso gut erfüllen kann wie bei einem gesunden Darm.

Wie stark sich Veränderungen der Dünndarmschleimhaut tatsächlich auf den Histaminstoffwechsel des einzelnen Hundes auswirken, ist wissenschaftlich bislang noch nicht abschließend geklärt. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen jedoch immer wieder, dass Hunde mit chronischen Darmerkrankungen häufig auch Symptome zeigen, bei denen Histamin eine Rolle spielen könnte. Ob hier tatsächlich ein direkter ursächlicher Zusammenhang besteht oder mehrere Faktoren zusammenwirken, wird die zukünftige Forschung zeigen. Die biologischen Zusammenhänge sprechen jedoch dafür, die Darmgesundheit auch im Zusammenhang mit dem Histaminstoffwechsel nicht aus dem Blick zu verlieren.

Bisher haben wir uns ausschließlich mit der Frage beschäftigt, was mit Histamin aus der Nahrung geschieht. Dabei haben wir gesehen, dass der Körper über verschiedene Schutzmechanismen verfügt, die die Histaminaufnahme begrenzen können.

Doch damit kennen wir bisher nur eine Seite des Histaminstoffwechsels.

Denn die Histaminbelastung eines Hundes hängt nicht nur davon ab, wie gut Histamin abgebaut wird, sondern auch davon, wie viel Histamin überhaupt entsteht.

Und genau an dieser Stelle wird das Mikrobiom interessant.

Bestimmte Darmbakterien sind in der Lage, aus der Aminosäure Histidin selbst Histamin zu bilden. Damit kann der Darm unter bestimmten Bedingungen nicht nur Ort des Histaminabbaus, sondern auch eine Quelle für Histamin sein.

Welche Rolle das Mikrobiom dabei spielt und warum eine histaminarme Fütterung allein deshalb nicht immer ausreicht, schauen wir uns im nächsten Teil dieser Artikelreihe genauer an.

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