Mein Weg mit Hunden
Eigentlich beginnt die Geschichte viel früher, als man bei meiner heutigen Arbeit vermuten würde.
Wenn ich heute auf meinen Weg mit Hunden zurückblicke, gibt es keinen einzelnen Moment, an dem ich beschlossen hätte: Ich werde Hundetrainerin.
Es waren viele Hunde. Viele Begegnungen. Viel Ausprobieren. Und ziemlich viele Fragen.
Und wenn ich ganz an den Anfang zurückgehe, lande ich bei einem kleinen Schäferhundwelpen namens Iwan.

Iwan – der Anfang
Anfang der 1990er Jahre – ich mit Iwan und seiner Mutter.
Ich war noch in meiner Ausbildung zur Drogistin, als eine Schäferhündin mit ihrem Winterwurf plötzlich bei meinen damaligen Schwiegereltern in spe untergebracht wurde.
Der Besitzer der Hündin, ein Schäfer, hatte keine Möglichkeit, die Hündin mit ihren Welpen unterzubringen. Also kamen sie kurzerhand zu uns.
Und einer dieser Welpen blieb.
Iwan.
Auf dem Foto halte ich ihn im Arm. Seine Mutter liegt daneben.
Das genaue Jahr weiß ich heute nicht mehr, irgendwann zwischen 1990 und 1992. Aber ich weiß noch sehr genau, dass ich damals ziemlich überzeugt davon war, dass dieser kleine Hund nicht wieder gehen sollte.
Damals konnte ich natürlich noch nicht wissen, wie sehr Hunde einmal mein Leben bestimmen würden.
Vom eigenen Hund zum Lernen mit Hunden
1994 begann ich, mich intensiver mit Hundeverhalten und Training zu beschäftigen.
Ich lernte bei Sabine Winkler in Bielefeld und bekam wichtige Impulse durch Dr. Gabriele Niepel. Gleichzeitig arbeitete ich ehrenamtlich bei Mensch & Hund e. V. in Bielefeld und unterstützte dort unter anderem die Trainerinnen einer Welpengruppe.
Das war eine andere Zeit.
Es gab keine Webinare, keine Onlinekurse und keine sozialen Medien, über die man sich mal eben Wissen holen konnte. Wenn ich etwas verstehen wollte, habe ich gelesen, Seminare besucht, Menschen gesucht, die mehr wussten als ich und vor allem selbst beobachtet und ausprobiert.
Dann kam Caesar in mein Leben.
Caesar – Lernen am echten Hund
Caesar – ein Sarplaninac und einer der Hunde, die mich besonders geprägt haben.
Caesar war ein Sarplaninac und alles andere als ein Hund, bei dem man einfach ein Trainingsschema abarbeitet.
Ich übernahm einen großen Teil seiner Erziehung und lernte dabei sehr viel über Hunde und über Kommunikation.
Denn irgendwann merkt man: Es reicht nicht, zu wissen, was ein Hund tut.
Man muss anfangen zu verstehen, warum.
Was sieht er?
Was nimmt er wahr?
Was signalisiert er?
Was tue ich gerade eigentlich selbst?
Ich habe damals sehr viel gelesen, gelernt und beobachtet. Und je mehr ich lernte, desto spannender wurde die Frage, was zwischen Mensch und Hund tatsächlich passiert.


Dann kamen die Pferde
Jody – eine Zeit lang waren Pferde ein großer Teil meines Lebens.
Für einige Jahre waren es nicht nur Hunde, die mich begleitet haben.
Ich entdeckte die Pferdewelt, zunächst die Islandpferde. Das Tölten hat mir unglaublich viel Spaß gemacht und mir eine ganz neue Form von Leichtigkeit vermittelt.
Später kamen weitere Pferde dazu, unter anderem ein Haflinger und schließlich Jody, eine Appaloosa-Stute.
Mit den Pferden wechselten auch die Perspektiven.
Ich lernte unterschiedliche Haltungsformen, Ställe und Reitweisen kennen. Ich beschäftigte mich mit Bodenarbeit und arbeitete unter anderem nach den Ansätzen von Pat Parelli.
Später fand ich im klassischen Barockreiten einen Zugang, der mich besonders geprägt hat: sehr feine Hilfen, genaue Wahrnehmung und eine Kommunikation, die nicht über große Signale funktioniert.
Die Pferde wurden für mich zu einer ganz eigenen Schule.
Nicht nur dafür, ein Pferd zu führen oder zu reiten.
Sondern dafür, Körpersprache wirklich wahrzunehmen.
Zu merken, wie wenig es manchmal braucht, um eine Reaktion auszulösen.
Und auch zu erkennen, dass Kommunikation immer aus mindestens zwei Seiten besteht.
Was macht das Tier?
Und was mache ich gerade?
Diese Erfahrung ist mir später auch in der Arbeit mit Hunden immer wieder begegnet.
Zurück zu den Hunden
Nach dieser intensiven Pferdezeit kamen wieder Hunde in mein Leben.
Den Anfang machten Chelci und Ginger, zwei Border-Collie-Schwestern aus dem Tierheim.
Kurz darauf kam Mäx, ein Border-Collie-Mischling aus dem Tierschutz, dazu.
Und plötzlich war ich mit drei Hunden unterwegs.
Damals hatte ich viel Zeit und war – wenn ich heute so zurückblicke, wahrscheinlich auch noch ein bisschen fleißiger als heute. 😉
Die drei waren gut erzogen, wir waren viel unterwegs und hatten einfach richtig viel Spaß miteinander.
Und genau das fiel anderen Menschen auf.
Immer wieder wurde ich angesprochen:
„Mensch, du machst das so toll. Wie klappt das denn alles?“
Also begann ich, Tipps zu geben. Dinge zu erklären. Mit Menschen und ihren Hunden auszuprobieren, was funktionieren könnte.
Und irgendwann dachte ich:
Wenn ich das sowieso schon mache, dann kann ich das, was viele Jahre vorher begonnen hatte, auch richtig auf solide Beine stellen.


2007 wurde daraus mein Beruf
Im Februar 2007 wurde aus all dem, was über viele Jahre gewachsen war, tatsächlich mein Beruf. Ich begann professionell als Trainerin für Menschen mit Hund zu arbeiten.
Aber eigentlich war die Geschichte da schon längst weitergelaufen.
Zu Chelci, Ginger und Mäx waren inzwischen Takoda und später Dinozzo dazugekommen. Takoda, ein Alaskan Malamute aus dem Tierschutz, brachte noch einmal ganz andere Themen mit und Dinozzo, ein Australian Cattle Dog vom Züchter, ebenfalls.
Und genau das war eigentlich typisch für meinen Weg: Ein Hund beantwortete selten nur eine Frage. Meistens brachte er gleich die nächste mit.
Mit der professionellen Arbeit kamen dann immer mehr unterschiedliche Hunde und Menschen dazu. Welpen, Junghunde, Hütehunde, Kleinhunde, Hunde mit Jagdverhalten, unsichere Hunde und natürlich ihre Menschen. Es ging um Alltag und Leinenführigkeit, Rückruf und Beschäftigung, Körpersprache und Kommunikation, Stress und Verhalten. Dazu kamen Einzeltrainings, Seminare und verschiedene Beschäftigungsformen wie Longieren, Treibball und Mantrailing.
Und je mehr Hunde ich kennenlernte, desto weniger konnte ich mich mit einfachen Antworten zufriedengeben.
Denn irgendwann wollte ich nicht mehr nur wissen:
Wie bekomme ich dieses Verhalten verändert?
Sondern:
Warum zeigt dieser Hund dieses Verhalten überhaupt?
Was passiert in seinem Körper, wenn er dauerhaft unter Stress steht?
Welche Rolle spielen Ernährung und Hormone?
Was hat der Darm damit zu tun?
Und warum reagiert ein Hund manchmal völlig anders, obwohl sich an der Situation scheinbar gar nichts verändert hat?
Die Fragen wurden mehr.
Und damit begann eigentlich der nächste Teil meines Weges.

Wenn eine Antwort neue Fragen aufwirft
2013 ließ ich mich zur Hundetrainerin vor der Tierärztekammer Niedersachsen zertifizieren.
Das war ein wichtiger Schritt – aber ganz sicher nicht das Ende meiner Entwicklung.
Denn inzwischen hatte ich längst gelernt: Wenn eine Antwort neue Fragen aufwirft, muss man eben weitergehen.
2015 folgte die Ausbildung zur Ernährungsberaterin für Hunde.
2016 kam die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin und ganzheitlichen Verhaltenstherapeutin dazu.
Aber auch diese Abschlüsse waren für mich nie das Ziel.
Sie waren eher die nächsten Werkzeuge, um das, was ich bei den Hunden beobachtete, besser verstehen zu können.
Und natürlich blieb es auch danach nicht bei diesen Ausbildungen. Ich habe mich immer weiter mit Verhalten, Ernährung, Darmgesundheit, Hormonen, Nervensystem, Pflanzenheilkunde und vielen anderen Themen beschäftigt.
Nicht, weil ich möglichst viele Abschlüsse sammeln wollte.
Sondern weil die Hunde immer wieder neue Fragen gestellt haben.
Und wenn ich bei einem Hund gemerkt habe, dass eine Erklärung nicht ganz zu dem passte, was ich vor mir sah, konnte ich mich damit noch nie besonders gut zufriedengeben. 😉
Also habe ich weitergesucht.

Und dann kamen Peaches und Deeks
2014 kam Peaches in mein Leben.
Ihre Geschichte ist noch einmal eine ganz eigene und sie hat meinen Blick auf Hunde ebenfalls stark geprägt.
Später, nachdem innerhalb eines Jahres meine drei Rüden gestorben waren und nur noch die inzwischen alte Ginger und Peaches bei mir lebten, zog schließlich Deeks ein.
Heute begleiten mich Peaches und Deeks.
Und damit ist diese Geschichte längst nicht zu Ende.
Was all diese Jahre mit meiner Arbeit zu tun haben
Wenn ich heute auf diese vielen Jahre zurückblicke, wirkt mein Weg manchmal selbst ein bisschen wie ein Umweg.
Von Iwan zu Caesar.
Von den Hunden zu den Pferden.
Von der Körpersprache zurück zu den Hunden.
Von der Hundeschule zu Ernährung und Tierheilpraxis.
Vom Verhalten zum Nervensystem, zu Hormonen und Darmgesundheit.
Eigentlich war es aber nie wirklich ein Umweg.
Denn hinter all diesen Stationen steckte immer dieselbe Frage:
Wie können wir ein Tier wirklich verstehen?

Nicht nur das, was wir auf den ersten Blick sehen.
Sondern auch das, was dahinterliegt.
Was hat dieses Tier erlebt?
Was passiert gerade in seinem Körper?
Was beeinflusst sein Verhalten?
Und was braucht es, damit Veränderung überhaupt möglich wird?
Vielleicht ist genau das der rote Faden, der sich durch meinen gesamten Weg zieht.
Ich habe immer wieder neue Dinge gelernt, neue Fragen gestellt und manchmal auch festgestellt, dass eine Antwort noch lange nicht das Ende der Geschichte ist.
Ich habe nie aufgehört, hinzusehen.
Und genau das ist es, was ich heute in meine Arbeit mitbringe.

Deshalb arbeite ich heute so, wie ich arbeite
Heute verbinde ich meine Erfahrung aus vielen Jahrzehnten mit Hunden mit meinem Wissen aus Verhalten, Gesundheit, Ernährung, Darmgesundheit und Aromatherapie.
Ich schaue nicht nur darauf, was ein Hund zeigt.
Ich möchte verstehen, warum er es zeigt.
Welche Geschichte bringt er mit?
Was passiert in seinem Körper?
Welche Rolle spielen Nervensystem, Ernährung, Umwelt, Erfahrungen und Emotionen?
Und vor allem:
Wo können wir sinnvoll ansetzen?
Dabei geht es für mich nicht darum, für alles eine schnelle Erklärung zu finden.
Es geht darum, genau hinzusehen, Zusammenhänge zu erkennen und gemeinsam herauszufinden, was dieser eine Hund gerade braucht.
Denn vielleicht beginnt gute Begleitung genau dort:
mit dem ehrlichen Wunsch, wirklich hinzusehen.
